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Wiener Tierschutzverein

Triesterstraße 8 (368)
2331 Vösendorf (Stadtgrenze Wien)

Telefon: 01 / 699 24 50 - 0
Fax: 01 / 699 24 50 - 98
Tierrettung: 01 / 699 24 80

Email: office@wr-tierschutzverein.org

Teil 9: Querschnitt durch zwei Dekaden Tierschutzarbeit

WTV-Aktivitäten von 1956 bis 1977

"Tierfreund" geht in "Illustrierter Tierwelt" auf

Der Tierschutzverlag E.H. Buberl schlägt dem WIENER TIERSCHUTZVEREIN (WTV), dem Landestierschutzverein für die Steiermark, dem Tierschutzverein Salzburg und Umgebung, dem Verein für Tierschutz und Tierkunde in Tirol, dem Vorarlberger Tierschutzverband und dem Villacher Tierschutzverein vor, an einer neu erscheinenden Monatsschrift mitzuarbeiten, die als Sprachrohr des gesamtösterreichischen Tierschutzes dienen soll. Ihr Name: "Illustrierte Tierwelt". Das Angebot wird dankend angenommen und ab April 1956 erscheint der "Tierfreund" als achtseitiger Mittelteil der "Tierwelt". Mitglieder des WIENER TIERSCHUTZVEREINS, die das neue Magazin nicht abonnieren wollen (Kosten: 36,- Schilling/anno), erhalten den "Tierfreund" wie gehabt vierteljährlich zugeschickt. Die Inkorporierung des "Tierfreund" in die "Illustrierte Tierwelt" erspart dem WIENER TIERSCHUTZVEREIN erhebliche Druck- und Versandkosten. Erst im Oktober 1977 erscheint der "Tierfreund" wieder als eigen herausgegebenes Produkt des WTV.

Arbeitskreis österreichischer Tierschutzvereine gegründet

Nachdem der der Verband österreichischer Tierschutzvereine am 7. Dezember 1947 aufgelöst worden war, kommt es zu einer Unterbrechung der gesamtösterreichischen Tierschutzzusammenarbeit. Das wirkt sich vor allem negativ auf das Vorantreiben der Schaffung eines Bundestierschutzgesetzes aus. Auf Drängen des WIENER TIERSCHUTZVEREINS wird daher 1958 der Arbeitskreis österreichischer Tierschutzvereine gegründet. Der WTV übernimmt die Schriftführerfunktion. Weiters gehören diesem Arbeitskreis an: Liga gegen Tierquälerei und Vivisektion (Wien), Oberösterreichischer Tierschutzverein (Linz), Tierschutzverein Bad Ischl und Umgebung, Landestierschutzverein für die Steiermark (Graz), Tierschutzverein für Kärnten (Klagenfurt), Tierschutzverein für Villach und Umgebung, Verein für Tierschutz und Tierkunde in Tirol (Innsbruck), Tierschutzverein Kufstein, Vorarlberger Tierschutzverband (Dornbirn).

Neben dem Bundestierschutzgesetz stehen folgende Inlandsthemen weit oben auf der Agenda: Kampf gegen das Verbot der Hundehaltung in Mietwohnungen, Tauben in der Stadt, Tiertransporte. Im Ausland gilt das Hauptaugenmerk dem Singvogelmord in Italien sowie dem spanischen Stierkampf.

Vier Jahre später, am Karsamstag des Jahres 1962, legt der WIENER TIERSCHUTZVEREIN durch Präsident Dr. Marinelli beim österreichischen Fernsehen Protest ein. Im Rahmen einer Gedenksendung über den Stierkampf verherrlichenden Literaten Ernest Hemingway war die brutale Schlachtung eines Arenastiers in Sevilla gezeigt worden. Fernsehdirektor Gerhard Freund versichert, dass in Zukunft keine Stierkampfszenen mehr im österreichischen TV gezeigt werden.

Tierschutz-Tagungen in Rom und Barcelona

Vom 2.-7. Oktober 1959 nimmt der WIENER TIERSCHUTZVEREIN bei der Tagung des im Jahre 1950 gegründeten Welttierschutzbundes (WFPA) in Rom teil. Funktionäre des WTV bekleiden innerhalb des WFPA hohe Posten: Hofrat Dr. Pichler, Leiter des Wiener Tierschutzhauses, ist Vizepräsident und Tierarzt Dr. Mikulicz ist Ratsmitglied. Beide Herren setzen sich mit großer Sachkenntnis für die Schaffung internationaler Vorschriften für den Transport von Tieren, schmerzlose Schlachtmethoden sowie gegen Vivisektion ein.

Vom 6.-12. Oktober 1961 findet die Tagung des Welttierschutzbundes in Barcelona statt. Wieder sind Dr. Pichler und Dr. Mikulicz vor Ort. Besichtigungen des lokalen Schlachthauses sowie des städtischen Hunde- und Katzenauffanglagers bringen nach Angabe der beiden WTV-Vertreter "grauenhafte Zustände" zutage.

1962: Welttierschutzbund zu Gast in Österreich

Neben den routinemäßigen Tagungen veranstaltete der WFPA (World Federation for he Protection of Animals) alle vier Jahre einen großen internationalen Kongress. 1962 ist Österreich Gastgeber. Auf Anregung von WTV-Präsident Dr. Marinelli wird das Ereignis zweigeteilt: der erste Teil findet am 12. und 13. Juni in Salzburg statt, der zweite vom 14. bis 17. Juni in Wien. Wien ist damit nach 1864, 1883 und 1929 zum vierten Mal Austragungsort eines bedeutenden internationalen Tierschutzkongresses. Die TeilnehmerInnen kommen aus 21 Ländern angereist: Argentinien, Belgien, Brasilien, Deutschland, England, Frankreich, Irland, Italien, Japan, Jugoslawien, Kanada, Luxemburg, den Niederlanden, Polen, Schottland, Schweden, Schweiz, Spanien, Tunesien, Uruguay sowie den USA.

Zum Abschluss des Kongresses wird folgende Reihe von Empfehlungen einstimmig verabschiedet:

1) Empfehlungen an die Mitgliedsverbände der WFPA

a) für eine Gesetzgebung einzutreten, die das dauernde Anketten von Hunden und das Aussetzen von Tieren verbietet

b) die Aufzucht unerwünschter Tiere durch Sterilisierung zu verhindern und hierfür bedürftige Tierhalter zu 7unterstützen

c) alle Bemühungen zu unterstützen, um grausame Sportarten und Freizeitgestaltungen einzuschränken oder zu verbieten, sowie für ein gesetzliches Verbot von Vorführungen wilder Tiere in Zirkussen, Theatern und Schaustellungen einzutreten

d) die Gründung unabhängiger nationaler "Blaukreis"-Organisationen zu unterstützen, die Freiwillige zu Erster Hilfe bei Tieren ausbilden und bei Unglücken mit den Tierärzten zusammenarbeiten

2) Empfehlung an alle UNO-Mitgliedsstaaten

-) Gesetze zum Schutz der Tiere zu beschließen

3) Empfehlung an die Mitgliedsstaaten der Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO)

-) Erziehung der Jugend zum Tierschutz und zur richtigen Tierbetreuung als Unterrichtsfach in alle Schullehrpläne einzubauen

4) Empfehlung an die Mitgliedsstaaten der UNESCO und der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

-) Bestimmungen zu erlassen, um die Leiden und die Zahl der versuchstiere herabzusetzen

5) Empfehlung an die Mitgliedsstaaten der WHO und des Internationalen Büros für Seuchenbekämpfung (IOE)

-) Anstelle von Strychnin humane Methoden zur Tötung seuchenkranker Tiere anzuwenden

6) Empfehlung an die Mitgliedsstaaten der IOE

-) Die staatlichen Veterinärbehörden für die Einhaltung der Tierschutzbestimmungen beim Import und Export von Tieren verantwortlich zu machen

7) Empfehlungen an die Mitgliedsstaaten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO)

a) Vorschriften zu erlassen, die eine schmerzfreie Tötung von Tieren sichern sollen

b) den Gebrauch von Fallen zum Fangen frei lebender Tiere zu verbieten

8) Empfehlung an die Mitgliedsstaaten der Internationalen Polizeiorganisation (Interpol)

-) den Welttierschutzbund WFPA zu ermächtigen, Untersuchungen über Grausamkeiten bei internationalen Tiertransporten vorzunehmen und diesbezüglich Gesetzesverletzungen zu ahnden

9) Empfehlungen an die Mitgliedsstaaten des Europarates

a) eine Europäische Konvention über die Regelung des Transportes lebender Tiere durch Europa zu entwerfen

b) Gesetze zum Schutz wilder Vögel, besonders der Zugvögel zu erlassen

10) Empfehlungen an die Spediteure in allen Ländern

Tiertransportaufträge ohne ordnungsgemäße Atteste und Grenzdokumente zurückweisen, um zu verhindern, dass die Tiere durch unnötige Verzögerungen an den Grenzen leiden müssen

3,5 Millionen WTV-Sonderpostmarken

Bereits im Advent 1955 gab der WIENER TIERSCHUTZVEREIN einen Bogen mit Tiermotiven als Verschlussmarken heraus. Diese fanden aber meist nur bei Vereinsmitgliedern Verwendung. Am 10. März 1966 erscheint aus Anlass des 120-jährigen Bestehens des WTV eine von der Post-Generaldirektion genehmigte Sondermarke. Auflage: 3,5 Millionen Stück. Eine breitenwirksame Werbewirkung zum Wohle der Tiere.

1968: Stachelhalsbänder in Wien verboten

Viele Jahre lang hatte der WIENER TIERSCHUTZVEREIN ein Verbot der so genannten Korallen- und Torquatushalsbänder gefordert. Diese quälerischen Instrumente kamen in der Hundeausbildung zum Einsatz. Am 9. Januar 1968 ist es soweit, per Verordnung trägt die Wiener Landesregierung den WTV-Vorstößen endlich Rechnung. In § 1 dieser Verordnung heißt es: "Die Verwendung von Stachelhalsbändern für das Führen und Anhängen sowie für die Abrichtung und Dressur von Hunden ist verboten."

WTV weiterhin zur Führung des Bundeswappens berechtigt

Am 4. Februar 1971 wendet sich der WIENER TIERSCHUTZVEREIN mit einem Schreiben an das Bundesministerium für Inneres. Es geht darum, die Berechtigung (Erlass des Bundeskanzleramtes vom 18. Februar 1937, Zahl 171.237-4/36) zur Führung des Bundeswappens in der Vereinszeitschrift, auf dem Briefpapier sowie in Kalender und Werbeschriften bekräftigt zu erhalten.

Mit Schreiben vom 21. April 1971 teilt das Bundesministerium für Inneres dem WTV mit, dass alle Gesetze aus der Zeit der deutschen Besetzung aufgehoben und ungültig sind. Fazit: "Gegen die Weiterführung des Bundeswappens aufgrund der im Jahre 1937 erteilten Berechtigung werden daher von Seiten des Bundesministeriums für inneres keine Einwände erhoben."

Justizminister Broda lobt WIENER TIERSCHUTZVEREIN

Während der am 7. Oktober 1971 anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums abgehaltenen Festversammlung im Wiener Konzerthaus findet Justizminister Dr. Christian Broda Worte der Anerkennung für den WIENER TIERSCHUTZVEREIN. Zuerst streicht er heraus, dass der WTV aus dem Leben der Bundeshauptstadt Wien und der Republik Österreich "nicht fortzudenken ist". Dann geht er auf die langjährigen Forderungen des WIENER TIERSCHUTZVEREINS ein, Tierquälerei nach dem Strafgesetz zu ahnden.

"Nun ist es endlich soweit. Ihre Bemühungen haben Erfolg gehabt! Der Gesetzgeber der XII. Gesetzgebungsperiode des Nationalrates hat in seiner Sitzung vom 8. Juli 1971 der überwältigenden Mehrheit von 150 Stimmen zur Frage der Einstellung der Gesellschaft zum Tierschutz durch die Beschlussfassung zum ,Strafrechtsänderungsgesetz 1971' Stellung genommen. Wenn am 17. August 1971 dieses Gesetz in Kraft treten konnte, durch das der Gesetzgeber den Vorschlägen der Bundesregierung und des Bundesministeriums für Justiz zur Schaffung eines bundeseinheitlichen Strafschutzes gegen Tierquälerei Gesetzeskraft verlieh, so soll bei diesem Anlass nicht verschwiegen werden, dass allen voran der Wiener Tierschutzverein Verdienste für diesen Erfolg in Anspruch nehmen kann, hat sich doch die Stellungnahme des Bundesministeriums für Justiz immer wieder an ihren konstruktiven Vorschlägen orientiert."

Herbst 1972: WFPA tagt in Wien

Vom 6.-8. Oktober hält der Welttierschutzbund seine Herbsttagung in Wien ab. WFPA-Vizepräsident Dr. Mikulicz berichtet dabei, dass der Welttierschutzbund nunmehr einen ständigen Vertreter bei den Vereinten Nationen habe bzw. dass die UNESCO dem WFPA einen Beraterstatus zuerkannt hat. Ein weiteres wichtiges Thema der Tagung ist die Anti-Pelz-Kampagne. Damit schließt der WIENER TIERSCHUTZVEREIN wieder verstärkt an seine diesbezüglichen Vorkriegstätigkeiten an.

1973: Zäsur an der Vereinsspitze

Am 22. März 1973 stirbt Dr. Mikulicz, der unermüdliche Motor des WIENER TIERSCHUTZVEREINS. Immer wieder hatte er für Furore gesorgt, u.a. 1971, als er einen Storch das Leben rettete, der von einem Pfeil durchbohrt worden war. Wenig später, am 16. April, erliegt die Galionsfigur, Prof. Marinelli, nach kurzer Krankheit dem Tod. 21 Jahre war er dem WTV vorgestanden. Sein Nachfolger wird Kommerzialrat Heinrich Trachtenberg, als neuer Leiter des Tierschutzhauses folgt der Veterinär Dr. Friedrich Flekna nach.

Mit den neuen Köpfen geht auch eine Veränderung im Vereinsgeschehen einher. Ab 1974 werden die traditionellen Feierlichkeiten des WTV zum Welttierschutztag nicht mehr mit Ansprachen und künstlerischen Darbietungen im Konzerthaus abgehalten, sondern rund um den 4. Oktober während eines "Tags der Offenen Tür" im Wiener Tierschutzhaus.

"Ich und du und wir dazu"

Dieser Spruch ziert ab März 1975 in Wien affichierte Tierschutzplakate. Die damalige "Propagandaleiterin" des WTV, Edith Klinger, formuliert damit, dass in einer idealen Lebens- und Wohngemeinschaft auch ein Haustier miteinbezogen werden soll. "Tierschutz ist ,in'", heißt es in einem weiteren zeitgeistigen Slogan. Ein Jahr später leitet Frau Klinger im Wiener Tierschutzhaus in Anwesenheit zahlreicher Jugendlicher das so genannte "Kleine Tierschutzparlament". Dabei werden Themen wie Tierversuche, Hühnermassenhaltung oder Stierkampf angesprochen. Von Januar bis Februar 1977 hängen an Wiens Plakatwänden Bilder mit dem Gesicht eines Hundewelpen. Darüber steht: ". und wer hilft uns?". Im Juli 1977 gibt der WIENER TIERSCHUTZVEREIN den "Tierfreund" wieder selbst heraus. Damit ist für den WTV die Ära der modernen Massenkommunikation angebrochen.

Fortsetzung folgt


Einführungsseminar für Betreuungspaten
8. Mai 2008, 18:30 Uhr
Ordentliche Generalversammlung 2008
9. Mai 2008, 18:00 Uhr
Grillfest
7. Juni 2008, 13:00 Uhr
Motorradbenefizausfahrt 2008
22. Juni 2008, 9:30 Uhr