Suche
 

Die letzten 10 Unterstützer unserer Spendenaktion:

lisa.krill
10 €
Mariellas Friends
115 €
Eva Zeitinger
10 €
Eva Zeitinger
1000 €
Anonym
900 €
hilda hejazian
100 €
hilda hejazian
50 €
Anonym
20 €
Jacqueline Joury
100 €
Anonym
1 €


9 Punkte gegen Lebendtiertransporte NEU (Achtung: auf Grund teilweiser Erfüllung neue Petition)
Sonnenschutz für Fiakerpferde
Retten Sie den Tierschutzrat ( Vier Pfoten)

Neu renoviertes kleines Ferienhaus im idyllischen Ferlach im Rosental - Kärnten - zu  vermieten!

Wiener Tierschutzverein

Triesterstraße 8 (368)
2331 Vösendorf (Stadtgrenze Wien)

Telefon: 01 / 699 24 50 - 0
Fax: 01 / 699 24 50 - 98
Tierrettung: 01 / 699 24 80

Email: office@wr-tierschutzverein.org

Teil 7: "Der Tierfreund" während des II. Weltkrieges

Grenzgang zwischen Tierschutz und Propaganda

Wie bereits in der vorigen Nummer zu lesen stand, hatte Österreich mit dem Anschluss an das Deutsche Reich zu existieren aufgehört, und auch der WIENER TIERSCHUTZVEREIN verschwand in dieser Zeit als eigenständige Organisation. Alles wurde von Deutschland aus gesteuert, dementsprechend berichtete " Der Tierfreund " in seiner Funktion als " Ostmärkisches Organ des Reichstierschutzbundes " zu einem Gutteil über Belange aus Großdeutschland oder von der Front. Hingegen gerieten Reportagen über den Tierschutzalltag in Wien und Umgebung ins Hintertreffen.

" Tierliebe gehirnlich, Tierliebe mit dem Herzen "

Im Heft 1/1939 erschien ein über zwei Seiten langer Grundsatzartikel mit der Überschrift " Tierliebe gehirnlich, Tierliebe mit dem Herzen ". Dieser Text liest sich passagenweise sehr interessant und weist durchaus Gegenwartsbezug auf. Einige Auszüge daraus: "Wenn es nach dem Reden allein ginge, dann gäbe es fast nur Tierfreunde auf der Welt; mindestens jeder dritte Mensch wird durchaus überzeugt sagen: ,Natürlich bin ich schon seit langem ein Tierfreund!' Fragt man ihn aber, wieso er sich dafür halte, dann bekommt man die erstaunlichen Antworten: ,Oh, ich gehe mindestens jedes Jahr einmal am billigen Sonntag in den Zoo!' - ,Mein Bruder hat einen Laubfrosch, dem fange ich öfters ein paar Fliegen!' - ,Wir haben im vorigen Sommer in unserem Schrebergarten ein Schwein fett gemacht, das wurde jeden Sonntagmorgen von mir mit grünem Salat begrüßt!' - ,Meinem Hund brachte ich nach kaum 3 Wochen bei, auf den Hinterfüßen zu gehen und gleichzeitig meine lange Tabakspfeife zwischen den Zähnen zu halten. Er hat jedes Mal vor Freude gegrinst!' - ,Was, ob ich ein Tierfreund bin? Seit 15 Jahren züchte ich Langohr-Kaninchen (oder Goldfische, oder Tauben) und hole mir fast bei jeder Ausstellung einen Preis!'

Und weiter: "Aber, aber - berechtigen uns diese seither erwähnten, mittelbaren oder unmittelbaren Beziehungen zum Tier, uns nun schon Tierfreunde zu nennen? Hat dies alles irgend etwas mit Tierliebe zu tun, oder ist es nicht weit eher die Befriedigung selbstsüchtiger Triebe, Vergnügen, Sport, Nutzzweck, vielleicht sogar ein wenig Eitelkeit?

Ich jedenfalls lege einen wesentlich strengeren Maßstab an die Bezeichnung ,Tierfreund'. Nicht der Mensch darf sich so nennen, der aus irgendeinem Grund sich dann und wann mit einem Tier oder einer Tierart abgibt, weil er das entweder lustig findet, sportlich unterhaltsam oder nützlich, sondern Tierfreund ist nur derjenige, der aus seinem Inneren heraus die Tiere liebt, ganz ohne einen egoistischen Zweck. Vom Verstand her kann man nicht Tierfreund sein, da wird gehirnlich unterschieden zwischen schön und häßlich, gut und böse, zweckmäßig und nutzlos, klug und dumm, unterhaltsam und langweilig, kostbar und wertlos. Der richtige Tierfreund erweist sich durch sein Herz, durch seine liebevolle Einstellung zur Gesamtheit der belebten Natur. Es geht nicht an, daß jemand seine ,Tierliebe' folgendermaßen erklärt: ,Hunde sind geradezu eine Leidenschaft von mir; die Katzen kann ich allerdings auf den Tod nicht leiden."

Über Laufkette und Röntgengerät

Im " Tierfreund " 4/1939 galt die Titelgeschichte den Mindestanforderungen für Kettenhunden: "Wetterfeste Hundehütte, genügend lange Laufkette bzw. bebaute und gepflegte Umgebung" mussten vorhanden sein. Weiters sprach sich Ministerialrat Dr. Glese (Berlin) gegen Glücksspiele mit lebenden Tieren aus: "Bei solchen Verlosungen passieren öfters unerfreuliche und erhebliche Tierquälereien." Zudem wird über die Anschaffung einer "mit allen Mitteln der Neuzeit ausgestatteten" Röntgenanlage berichtet.

Tiere als Kriegsgefährten

Der "Tierfreund" 6/1939 machte mit dem Artikel "Tierschutz im Kriege" auf. Anlässlich des Reichstierschutztages - am 24. November - stand geschrieben: "Groß ist die Zahl der Tierschützer, die draußen an der Front treu ihre Pflicht erfüllen für Führer und Reich.". Das war natürlich schon im Ansatz Propaganda pur. All die Schlachtengräuel, die neben Abertausenden Menschenleben auch unzähligen Tieren den Tod brachten, wurden ausgeblendet, Pferde oder Hunde hingegen als treue Gefährten der deutschen Wehrmacht präsentiert.

Propagandafaktor Hitlerjugend

Ausgabe 1/1940 berichtete, dass der Tierschutzverein Wien und Umgebung für sein Arbeitsgebiet "Niederdonau" (das heutige Niederösterreich) mit der Gebietsführung 28 der Hitlerjugend folgende Grundsatzvereinbarung getroffen hatte: "Die Führung der Hitlerjugend betrachtet es als selbstverständliche Pflicht, die Jugend zur Tierliebe zu erziehen und sie dahin zu bringen, dass sie sich überall als erster Beschützer unserer Tierwelt fühlt." Die Kleinen ließen sich einfach vor den Propagandakarren spannen. Freilich hielten sich Nazi-Größen wie Reichsfeldmarschall Hermann Göring nicht an die guten Vorsätze, die den Kindern und Jugendlichen nahe gebracht werden sollten. Als oberster Jägermeister des Deutschen Reichs veranstaltete er wahre Abschussorgien an Wildtieren. Überhaupt war das "edle Waidwerk" von den Nazis fast kultisch emporgehoben worden.

"Tierfreund"-Berichte der Jahre 1941-1942

"Der Tierschutzverein Wien und Umgebung hat auch in diesem Winter angesichts des überaus reichlichen Schneefalles 4 Vorspanntraktoren in den Dienst gestellt, die steckengebliebenen Fuhrwerken und insbesondere bei ansteigenden Straßen unentgeltlich Vorspann leisten", stand im "Tierfreund" 1/1941 zu lesen. Doch nicht allein der strenge Winter stand im Mittelpunkt des Interesses. Natürlich wurden auch wieder martialische Töne mit angeschlagen. Prof. Dr. Bastian Schmid verfasste einen Text mit dem Titel: "Zur Psychologie unseres Hundes und seine Verwendung im Krieg". Eine reiche Bebilderung der Schicksalsgemeinschaft Soldat und Deutscher Schäferhund veranschaulichte die Worte.

In der Jahreshauptversammlung am 27. März 1941 stellte Hermann Kerber, Präsident des Tierschutzvereins Wien und Umgebung, fest, dass die Vereinstätigkeit durch den II. Weltkrieg zwar Einschränkungen erfahren, die Tierschutztätigkeiten dadurch allerdings nicht gelitten hätten. Vor allem die Erhebungen der Tierschutzinspektoren hob Kerber lobend hervor. Engpässe gab es bei der Futterbeschaffung für die Tiere am Khleslplatz.

Auf der Titelseite der Mai/Juni-Nummer des "Tierfreund" vom Jahr 1942 prangte ein Deutscher Boxer, dem ein schlittenartiges Gestell umgegurtet worden war. Es diente zur Beförderung der Essensrationen für Luftwaffeneinheiten im Osten. Im Blatinneren sinnierte DDr. Hugo Georg Schmitt über "Die Kriegswichtigkeit des Tierschutzes". Den Vorderumschlag der Juli/August-Ausgabe zierte ein Deutscher Schäferhund mit Rotkreuz-Abzeichen. Im Fang trug er ein so genanntes "Bringsel", durch das er seinem Führer anzeigte, einen Verwundeten gefunden zu haben.

Tränkbahnhöfe für Schlachttiere

In der November/Dezember-Ausgabe des "Tierfreund" (1942) hieß es: "Die Eisenbahnverkehrsordnung bestimmt, daß alle Tiere, deren Beförderung 24 Stunden oder länger in Anspruch nimmt, vor der Verladung vom Absender ausreichend gefüttert und getränkt werden müssen. Unbegleitete Tiere sind, sofern ihre Beförderung länger als 36 Stunden dauert, spätestens nach 36 Stunden zu füttern und zu tränken. Dafür sind besondere Bahnhöfe mit entsprechenden Einrichtungen ausgerüstet."

Kriegsbericht über die "Sowjetische Hundemine"

"Da besinnt sich der Sowjetrusse auf den uralten Gebrauch von Kampfhunden im Kriege. Ein Hund kann rascher laufen als der schnellste Mensch. Er bietet ohnehin ein kleineres und beim Lauf noch viel ungünstigeres Ziel, seelische Einflüsse beirren ihn nicht. So richtet der Bolschewik den Hund ab, sein Futter stets unter dem Panzer, vielleicht sogar unter dem fahrenden Panzer, zu suchen und gibt dem Hund eine Sprengladung von 6-12 kg, an einem Bauchgurt befestigt, mit. Kriecht der Hund unter den Panzer, so wird ein schräg aufwärts stehender Hebel auf seinem Rücken heruntergedrückt, ein Stift wird nach oben gezogen, ein Schlagbolzen wird frei, und die gespannte Schlagbolzenfeder schleudert diesen gegen das Zündhütchen, eine Art Knallzündschnur überträgt die Detonation zur Sprenladung an beiden Seiten des Hundes. Der Hundeführer braucht also nur in Deckung auf die Panzer zu warten, bis sie in Hundesicht sind, einen einfachen Sicherungsstift herausziehen und den Hund frei zu geben, der die Befriedigung seines Hundegefühls unter dem feindlichen Panzer suchen soll."

Das Ende des III. Reiches naht

Mit Heft 2/1943 erschien die letzte Ausgabe des "Tierfreund" während der Nazi-Ära. Denn aus "kriegswirtschaftlichen Gründen" wurden alle Blätter des so genannten "deutschen Tierschutzes" mit 1. April vereinigt. Die neue, einheitliche Zeitung trug dann auch selbigen Namen: "Der Deutsche Tierschutz". Ihr Erscheinungsintervall wurde mit zweimal jährlich festgelegt. In einer Rubrik stand: "Damit müssen wir zu unserem Bedauern auch die besondere Beilage des Tierschutzvereins Wien und Umgebung vorläufig einstellen. Wir hoffen, daß die Tierfreunde in den Donaugauen Verständnis für die notwendig gewordene Entwicklung haben (.)" 1944 war der II. Weltkrieg für das Deutsche Reich längst verloren, die Lage spitzte sich immer mehr zu. Am 10. September d.J. erfolgten erste schwere Luftangriffe der Alliierten auf Wien. Bis zum März 1945 sollten weitere 51 Bomberattacken folgen. Vom 5. bis 13. April 1945 tobte schließlich auch die Bodenschlacht um Wien. Dem Tierschutzhaus gingen zwei Rettungswagen und ein Traktor durch Luftangriffe verloren. Das Futter für die Vierbeiner wurde immer knapper, aufgrund vieler toter Tiere bestand zudem Seuchengefahr.

Neubeginn für den WIENER TIERSCHUTZVEREIN

Als die Sowjettruppen nach Kriegsende mit einer Hundestaffel am Khleslplatz Quartier bezogen, stellte dies eine Erleichterung dar. Die Russen ließen die Tiere des Tierschutzhauses an den Futtervorräten teilhaben. Dr. Viktor Matejka, später Amtsführender Wiener Stadtrat für Kultur und Volksbildung, betraute Wilhelm Harant mit der kommissarischen Leitung des WTV, Otto Wufka wurde provisorischer Verwalter des Tierschutzhauses. Die Reorganisation konnte beginnen.

Am 27. April 1945 war im Parlament die "Proklamation über die Selbständigkeit Österreichs" verkündet worden; die demokratische Republik war wiederhergestellt (wenngleich durch die Besatzungsmächte eingeschränkt). Und am 31. Juli 1945 trat das Vereins-Reorganisationsgesetz in Kraft. Damit wurde aus dem Nazi-Konstrukt "Tierschutzverein Wien und Umgebung" wieder der WIENER TIERSCHUTZVEREIN. Am 25. August 1946 begeht die provisorische Vereinsführung mit einer Kranzniederlegung am Grab von Gründungsvater Castelli das hundertjährige Jubiläum des WTV. Und am 2. September ging es gleich ans Werk, um den Tierschutzgedanken auch in der II. Republik unters Volk zu bringen. In den Ausstellungsräumen des "Hauses der Wiener" auf der Mariahilfer Straße öffnete eine große Tierschutz-Ausstellung ihre Pforten. Die dritten fünfzig Jahre der Vereinsgeschichte hatten begonnen.

Fortsetzung folgt


Einführungsseminar für Betreuungspaten
8. Mai 2008, 18:30 Uhr
Ordentliche Generalversammlung 2008
9. Mai 2008, 18:00 Uhr
Grillfest
7. Juni 2008, 13:00 Uhr
Motorradbenefizausfahrt 2008
22. Juni 2008, 9:30 Uhr