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Wiener Tierschutzverein

Triesterstraße 8 (368)
2331 Vösendorf (Stadtgrenze Wien)

Telefon: 01 / 699 24 50 - 0
Fax: 01 / 699 24 50 - 98
Tierrettung: 01 / 699 24 80

Email: office@wr-tierschutzverein.org

Teil 3: Im Zeichen des Hundes

Im Zeichen des Hundes

Nach chinesischem Kalender steht 2006 im Zeichen des Hundes - und auch der dritte Teil unserer Jubiläumsseiten über die 160-jährige Geschichte des WIENER TIERSCHUTZVEREINS ist schwerpunktmäßig unseren bellenden besten Freunden und Freundinnen gewidmet. Zumal 1898 ebenfalls ein Jahr des Hundes war. Kurz davor, am 15. Oktober 1897, eröffnete der WIENER TIERSCHUTZVEREIN (WTV) in Wien-Erdberg sein "2. Wiener Hunde-Asyl". Ein gutes Omen.

Zur Erinnerung: das erste Hunde-Asyl öffnete seine Pforten bereits am 18. Juli 1876 (wie wir in der vergangenen Ausgabe des "Tierfreund" berichteten). Doch der Bau in der Magdalenenstraße in Mariahilf erwies sich schon bald als zu klein. Wegen Platzmangel mussten zwei Drittel (!) der aufgenommenen Hunde eingeschläfert (nach damaligem Sprachgebrauch "vertilgt") werden. Aus heutiger Sicht ein unhaltbarer Zustand! Und auch die Verantwortlichen des WIENER TIERSCHUTZVEREINS anno dazumal sahen dies ganz ähnlich. Platzmangel darf einfach kein Grund sein, Leben auszulöschen, unsere Maxime gestern, heute, morgen!!! Eine größere Lokalität musste her, eben jene in der Erdberger Straße 93. Doch diese zweite Tierunterkunft des WIENER TIERSCHUTZVEREINS war nur als vorübergehend, als Provisorium gedacht, denn groß war auch sie nicht.

Hunde sind keine Zugtiere!

Am 20. Januar 1900 - also knapp nach der Jahrhundertwende - kam es auch zu einem Wechsel an der Spitze des WIENER TIERSCHUTZVEREINS. Präsident von Tunkler trat zurück, nur fünf Tage später wählte der Vereinsausschuss den k. u. k. Landesgerichtsrat Dr. Arthur Holland von Grunddenfels zum neuen Präsidenten. Eines der Hauptanliegen des Neugewählten: Hunde sollen nicht als Zugtiere eingesetzt werden.

Daher erschien im Februar 1901 im "Thierfreund" folgende Annonce: " Achtung! Für Hunde-Fuhrwerksbesitzer! Zug-Esel an Stelle von Zughunden! Der Wiener Thierschutz-Verein (.) vermittelt den Verkauf von gut eingeführten Zugeseln zu den günstigsten Bedingungen; Zugesel werden auch leihweise abgegeben ." Dieses Angebot wurde von den Fuhrwerksleute gerne angenommen. Zwischen zwanzig und dreißig "Leihesel" waren im Außeneinsatz. Aber auch vereinsintern kamen Esel zum Einsatz, etwa als Zugtiere für Kleintiertransporte.

Verband österreichischer Tierschutzvereine gegründet

Bereits am 9. August 1886 - im Rahmen der 40-Jahr-Jubiläumsfeier des WIENER TIERSCHUTZVEREINS - gründeten die anwesenden Tierschutzvereine aus Wien, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz, Lemberg, Leitmeritz, Mährisch-Ostrau, Prag, Przemysl bzw. Triest Filialvereine des WIENER TIERSCHUTZVEREINS und vertrauten ihm die vereinsübergreifende Präsidentschaft an. Benannt wurde diese Dachorganisation "Verband österreichischer Tierschutzvereine". Späterhin hieß sie "Zentralverband der Tierschutzvereine Österreichs", heute kennt man sie (diesmal mit einem großen "Ö") als Verband Österreichischer Tierschutzvereine, kurz VÖT.

Am 22. September 1901 hatte sich der damalige Verband österreichischer Tierschutzvereine versammelt, um den Behörden erneut einen Gesetzesentwurf zur Schaffung eines allgemeinen Tierschutzgesetzes vorzulegen. Erst Anfang 2005 konnte dieser Tierschutztraum mit dem österreichischen Bundestierschutzgesetz zu weiten Teilen verwirklicht werden, wenngleich wichtige Bereiche wie z.B. Jagd/Fischerei, Tierversuche oder Tiertransporte leider immer noch extra geregelt sind.

Neues Tierschutzhaus in Wien-Ottakring

Aus Platzgründen übersiedelte der WIENER TIERSCHUTZVEREIN am 20. Oktober 1902 aus dem III. Wiener Gemeindebezirk in den XVI., genauer in die Friedrich-Kaiser-Gasse 70. In diesem neuen Objekt bestand erstmals die Möglichkeit, außer Hunden auch größere Tiere unterzubringen. Im selben Jahr installierte der WIENER TIERSCHUTZVEREIN in allen öffentlichen Gärten und Friedhöfen in Wien und Umgebung vereinseigene Vogelfutterstellen. Im "Thierfreund" wurden die Mitglieder zu Spenden für den Ankauf von Vogelfutter ersucht. Ab Januar 1904 erschien das Magazin mit neuem Briefkopf als "Tierfreund". Übrigens: 33 Jahre lang blieb der WIENER TIERSCHUTZVEREIN in seinem Ottakringer Tierdomizil. Mehrere Adaptierungen sowie der Zukauf eines zweiten Hauses hatten die von der Aufnahmekapazität her möglich gemacht. 1910, acht Jahre nach Inbetriebnahme, herrschte in der Friedrich-Kaiser-Gasse 70 Hochbetrieb: die Jahresfrequenz betrug 7.554 Hunde und 4.550 Katzen.

Ob Kutscher oder Kinder . der WTV half

Auf besondere Einladung nahm Vereinspräsident von Holland am 7. Januar 1906 an einer Versammlung von Schwerfuhrwerkskutschern teil und sprach sich vom tierschützerischen wie auch humanitären Standpunkt für die Errichtung von Kutscherfahrschulen aus, wie solche bereits im Ausland bestanden. Am 8. März 1907 eröffnete die Genossenschaft der Fiaker, Einspänner und Lohnfuhrwerker eine solche Fach- und Fahrschule. Mit großer Genugtuung stellte der WIENER TIERSCHUTZVEREIN fest, dass seinen Intentionen bei der Erstellung der Lehrpläne in größtmöglicher Weise Rechnung getragen wurde. Auf die Gegenwart bezogen heißt das: der WIENER TIERSCHUTZVEREIN ist seiner Linie treu geblieben. Heutzutage geht es immer noch um Erleichterungen für die Wiener Fiakerpferde oder aber um eine bessere Ausbildung von Tiertransportfahrern.

In Kooperation mit dem "Lehrer-Verein für Tier- und Pflanzenschutz" gelang es dem WIENER TIERSCHUTZVEREIN, die Schulbehörden dahingehend zu motivieren, einer tierfreundlicheren Erziehung der Jugend mehr Augenmerk zu schenken. Ein erster Erfolg dieser Bemühungen war, dass der niederösterreichische Landesschulrat anordnete, dass an allen Volks- und Bürgerschulen des Landes alljährlich im Mai oder Juni ein Unterrichtstag ausschließlich dazu dienen sollte, die Kinder "in der Schonung nützlicher Tiere und Pflanzen" anzuleiten. Dass Tiere ganz aus sich heraus einen Eigenwert haben, ohne einem vom Menschen willkürlich festgelegten Nützlichkeitskriterium entsprechen zu müssen, war für die damalige Zeit freilich ein zu abstrakter Gedankengang.

Am 2. Mai des Jahres 1911 legte auch der Wiener Bezirksschulrat einen so genannten "Tierschutztag" fest. Über diese Direktive hoch erfreut, stellte der WTV neben Schriften, Plakaten und Flugblättern alljährlich 100 Sparkassenbücher mit je einer Einlage von 10 Kronen bereit. EmpfängerInnen waren Kinder, die sich erwiesenermaßen besonders tierfreundlich verhalten hatten. Am 6. Juni erklärte das Unterrichtsministerium mit dem Erlass Zl. 2294 Wandtafeln des WIENER TIERSCHUTZVEREINS geeignet zum Unterrichtsgebrauch.

Anno 2006 hat der WIENER TIERSCHUTZVEREIN im "Tierfreund" eine ständige Kinder- und Jugendseite bzw. unterhält einen fix angestellten Tierschutzlehrer. Tradition verpflichtet!

Hunde in der Straßenbahn? Ja, bitte. Mehr Steuer? Nein, danke.

Lange Zeit hatte die Vereinsleitung des WIENER TIERSCHUTZVEREINS ihr Büro in der Weihburggasse 10, danach übersiedelte sie an den Wildbretmarkt, ehe am 10. Mai 1911 Quartier am Schulhof 6 bezogen wurde (alle Lokalitäten lagen im I. Bezirk). Vereinszentralen und Tierschutzhäuser änderten sich, der Schwerpunkt "Hund" blieb. So machte der WTV im August 1911 einen neuerlichen Vorstoß, damit HundehalterInnnen ihre Vierbeiner in den elektrischen Straßenbahnen mitnehmen dürfen.

Am 15. Februar 1912 erhob der WIENER TIERSCHUTZVEREIN gegen die beabsichtigte Erhöhung der Hundesteuer von acht auf zwanzig Kronen Einspruch bei der Gemeindevertretung der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Der WTV wies darauf hin, dass die Mehrzahl der HundehalterInnen arme Leute seien. Eine Steuererhöhung würde unweigerlich mit sich führen, dass die Tiere vermehrt im Tierschutzhaus abgegeben oder aber freigesetzt würden. Diese herrenlosen Hunde würden dann tagelang hungernd und frierend herumstreunen und durch Krankheit die Ausbreitung von Seuchen begünstigen.

I. Weltkrieg - Auch Hunde und Pferde an "Kriegs- oder Heimatfront"

Zwei Tage nach Weihnachten, am 26.Dezember 1911, starb WTV-Präsident Dr. Arthur Holland von Grunddenfels. Am 5.Februar.1912 folgt ihm der Kaiserliche Rat Max Puchta im Amt nach. Es war eine Zeit des Übergangs für den WIENER TIERSCHUTZVEREIN wie auch eine Zeit des nahenden Untergangs der Donaumonarchie. Der Erste Weltkrieg warf seinen Schatten voraus. Am 3. Juli 1914 gab es in Österreich-Ungarn Generalmobilmachung. Kampf und Tod standen bevor - und auch Tiere mussten ins Schlachtfeld.

Als ihre Besitzer zu den Waffen gerufen wurden, hieß dies für viele Hunde Herrenlosigkeit; sie kamen ins Wiener Tierschutzhaus. Diverse Militärkommandanten übernahmen die "besten Freunde des Menschen" von dort, um sie zu Melde- oder Sanitätszwecken auszubilden.

Pferde, die anderen großen nicht-menschlichen Leidtragenden des Krieges, wurden zu so genannten Assentierungsplätzen (Sammel- und Musterungsstellen) verfrachtet. Dort kümmerte sich der WIENER TIERSCHUTZVEREIN um Fütterung und Tränkung; er stellt auch Tränktröge auf. Da die Militärbehörden bei der Assertierung der Pferde nur die gesündesten und strapazierungsfähigsten auswählten, blieben viele schwache, kränkliche oder alte Tiere zurück. Wegen des Krieges wurde ihnen aber ihr Ruhestand und Gnadenbrot verweigert, die Pferde dienten als Arbeitsstiere. Der WIENER TIERSCHUTZVEREIN appellierte daraufhin an die Fuhrwerksleute, in bezug auf diese ausgemusterten Pferde Nachsicht und Rücksicht walten zu lassen, z.B. dann, wenn alte oder übermüdete Tiere plötzlich nicht mehr weiterwollten.

Für das k.u.k. Militärkommando Wien führte der WIENER TIERSCHUTZVEREIN mit seinen drei Pferderettungswagen kostenlos Rettungsaktionen für die auf den Sammel- oder Exerzierplätzen verunglückten bzw. erkrankten Pferde durch. Feldmarschall-Leutnant Raffay, der Militärkommandant höchstpersönlich, bedankte sich in einem Schreiben vom 18. September 1914 für dieses "hochpatriotische Entgegenkommen des Wiener Tierschutzvereins".

Im Februar 1915 spendete der WIENER TIERSCHUTZVEREIN dem kaiserlich-königlichen Kriegsministerium zur Schmerzlinderung der Kriegspferde den Betrag von 5.000 Kronen. Damit sollte ermöglicht werden, dass bei der Operation verwundeter Pferde öfter Gebrauch von Narkotika gemacht wird. Narkosemittel galten nämlich als kostspielige Mangelware.

Am 9. Januar 1916 beantragte der WIENER TIERSCHUTZVEREIN beim k.u.k. Kriegsministerium, die im Feld stehenden Tierärzte zwecks rascherer Hilfeleistung für erkrankte oder verwundete Pferde mit einer weißen Armbinde mit rotem Stern auszustatten. Dieser "Rote Stern" war das Symbol des 1915 in der neutralen Schweiz, in Genf, gegründeten "Internationalen Bundes zum Schutze aller im Krieg verwundeten Tiere".

Kaiserliche Verordnung: "Tiere sind keine Sachen"

Zwei Monate danach, am 10. März, verzichtete der WIENER TIERSCHUTZVEREIN aufgrund der ungeheuren Opfer des I. Weltkriegs auf eine feierliche Begehung des 70-jährigen Vereinsjubiläums. Stattdessen kam es in der ordentlichen Generalversammlung (7.Juni 1916) zu einer schlichten Würdigung der Verdienste des Vereinsgründers und Humanisten Ignaz Franz Castelli. In derselben Generalversammlung wurde auch berichtet, dass der WIENER TIERSCHUTZVEREIN eine kaiserliche Verordnung bewirkt hatte, wonach das Tier fortan nicht mehr als "Sache" galt, sondern als Individuum unter strafrechtlichen Schutz gestellt worden war. Gemessen am "Zeitgeist" des Jahres 1916 eine unglaubliche Leistung!

Rückholaktion für Kriegspferde

Am 11. Februar 1918 (genau neun Monate vor dem offiziellen Kriegsende) beschloss der Vorstand des WIENER TIERSCHUTZVEREINS auf Antrag des Vizepräsidenten, Oberfinanzrat Dr. Eduard Melkus, Verhandlungen mit den Veranstaltern des kommenden Weltfriedenskongresses aufzunehmen, um eine internationale Regelung für Tierschutzfragen zu erreichen.

Am 20. März 1919 startete der WIENER TIERSCHUTZVEREIN eine Rückholaktion für Kriegspferde. Für die auf den Bahnhöfen Wiens eintreffenden Pferde wurden Futter- und Tränkstationen errichtet. Am Stephansplatz und beim Schottentor errichtete man so genannte "Pferde-Heberahmen".

Exkurs nach London : War Memorial

Tiere waren nicht nur im I. Weltkrieg Opfer wider Willen, sondern auch in unzähligen "menschlichen" Auseinandersetzungen danach und davor. Diesem traurigen Faktum trug man in London Rechnung. Der Tierrechtsverein CANIS berichtet dazu: Im November 2004 wurde beim Brook Gate, an der Peripherie des berühmten Hyde Parks, ein monumentales Denkmal für all jene Tiere errichtet, die im britischen Commonwealth ihr Leben im Krieg lassen mussten. An einer Steinwand sind Reliefs von Elefanten, Kamelen, Tauben und anderen Tieren zu sehen. Eine Gravur besagt: " They had no choice ", " Sie hatten keine Wahl ". Die Steinwand hat in der Mitte einen Durchgang. Auf der Vorderseite sind ein Pferd (acht Millionen Pferde kamen allein im I. Weltkrieg ums Leben) und ein Hund aus Bronzeguss zu sehen, an der Hinterseite zwei mit Kriegszeug beladene Maultiere. Sogar der Glühwürmchen, die in den Schützengräben als "Beleuchtung" gehalten worden waren, wird gedacht.

Das Denkmal hat 1,5 Mio. Pfund gekostet, wobei ein Drittel der Kosten noch nicht bezahlt ist. Privatleute wie Vereine und Firmen trugen die Errichtung durch Spenden. Als Künstler zeichnet David Backhouse verantwortlich, einer der renommiertesten Bildhauer Großbritanniens. Der Eröffnungszeremonie wohnte ein ganz besonderer "Veteran" bei: "Buster", 7-jähriger Springerspaniel, der im Irak als Waffenspürhund eingesetzt worden war und die Dickin Medal, eine Art Ehrenabzeichen für Tiere, erhalten hatte.

In der April-Ausgabe des "Tierfreund" berichten wir über das Wirken des WIENER TIERSCHUTZVEREINS während der 1. Republik.

Fortsetzung folgt


Einführungsseminar für Betreuungspaten
8. Mai 2008, 18:30 Uhr
Ordentliche Generalversammlung 2008
9. Mai 2008, 18:00 Uhr
Grillfest
7. Juni 2008, 13:00 Uhr
Motorradbenefizausfahrt 2008
22. Juni 2008, 9:30 Uhr