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Wiener Tierschutzverein

Triesterstraße 8 (368)
2331 Vösendorf (Stadtgrenze Wien)

Telefon: 01 / 699 24 50 - 0
Fax: 01 / 699 24 50 - 98
Tierrettung: 01 / 699 24 80

Email: office@wr-tierschutzverein.org

Teil 11: Hin zu Tiertransportgesetz und Freilandeiern

Die Ära Lucie Loubé beginnt

"Zum Wohle von Mensch, Tier, Umwelt und für ein humanes Leben!"

Unter diesem Motto tritt Lucie Loubé am 6. April 1990 die Präsidentschaft des WIENER TIERSCHUTZVEREINS an. Erreichtes und Altbewährtes sollte erhalten bleiben, gleichzeitig Neues und Fortschrittliches im Interesse der Tiere geschaffen werden. Bewusstseinsänderung steht für die neue Präsidentin groß geschrieben, nicht im Sinne von Belehrung oder Zwang, sondern durch Überzeugungsarbeit. Am Überzeugendsten ist es natürlich, das Gesagte selbst vorzuleben, was Lucie Loubé tut. Sie verbannt aus ethischen Gründen Pelzmäntel und Krokotaschen aus ihrer Garderobe und wird zur Vegetarierin.

Ganz oben auf ihrem Arbeitskatalog von 1990 stehen drei Ziele:

1) Durchsetzung eines bundeseinheitlichen Tierschutzgesetzes für ganz Österreich

2) Schaffung eines Tiertransportgesetzes

3) Bau eines neuen, geräumigen und tiergerechteren Tierschutzhauses anstelle des überbelegten Khleslplatzes.

Alle drei Vorhaben sollten im Laufe der Jahre von Erfolg gekrönt sein. Das Tiertransportgesetz wird 1995 Realität, das neue Tierschutzhaus in Vösendorf öffnet 1998 seine Pforten und am 28. September 2004 wird ein Bundestierschutzgesetz bekannt gemacht, das mit 1.1. 2005 in Kraft tritt.

Tierrettung wieder rund um die Uhr im Einsatz

Als eine der ersten vereinsinternen Reformmaßnahmen macht Präsidentin Loubé die aus Kostengründen reduzierte Einsatzzeit des Tierrettungsdienstes rückgängig, so dass die Rettungswägen des WIENER TIERSCHUTZVEREINS ab Mai 1990 wieder täglich von 0 bis 24 Uhr zur Verfügung stehen.

Tierpension Brunn/Gebirge eröffnet

Am 16. August 1990 geht ein lang gehegter Wunsch vieler Mitglieder und Freunde des WIENER TIERSCHUTZVEREINS in Erfüllung. Die Tierpension in Brunn am Gebirge wird eröffnet. Damit ist die Möglichkeit gegeben, Haustiere während der Urlaubszeit tiergerecht unterzubringen.

"Mode ohne Tierqual"

Im Rahmen seines Kampfes gegen die Grausamkeiten der Pelzindustrie startet der WIENER TIERSCHUTZVEREIN eine Werbekampagne für Webpelze. In Hübners Kursalon im Wiener Stadtpark findet am 21. September 1990 eine Webpelzgala unter dem Aufhänger "Mode ohne Tierqual" statt, die von Prominenz und Öffentlichkeit gut angenommen wird. Seit damals stellt die Webpelzmodeschau einen herbstlichen Fixpunkt des Wiener Veranstaltungskalenders dar.

Hilfsaktion für Nutrias

Zu viert in engen Käfigen, die bestenfalls für zwei Tiere reichen, ohne Wasser und Futter, kommen am 4. November 1990 auf dem Flughafen Wien-Schwechat 200 Nutrias aus Polen an. Der WIENER TIERSCHUTZVEREIN erklärt sich bereit, die "Sumpfbiber" fürs Erste am Khleslplatz aufzunehmen. Genau nach einem Monat, am 5. Dezember, übersiedeln die 200 Nutrias nach Maria Trost bei Graz. Dort wurde 1989 eine tierquälerische Pelztierfarm von Amts wegen geschlossen, und das Umweltministerium hatte den WIENER TIERSCHUTZVEREIN ersucht, die 1.200 daraus geborgenen Nutrias zu übernehmen. Daraufhin hatte der WTV das Grundstück gepachtet, die Sumpfbiber nach Geschlechtern getrennt und geräumige Freilaufgehege errichtet. Nachdem der langjährige Pachtvertrag abgelaufen war, sind die letzten noch lebenden Nutrias im September 2006 ins Tierschutzhaus nach Vösendorf umgezogen.

Tiertragödie an der italienischen Grenze

Zeitungsmeldungen vom 29. März 1991 berichten, dass am italienisch-jugoslawischen Grenzübergang Fernetti/Prosecco viele LKW auf ihre Abfertigung warten, darunter zahlreiche Tiertransporter mit rund 11.000 Pferden, Kühen, Schweinen oder Schafen an Bord. Über 600 Tiere - so die Berichte - wären bereits verendet; aus Durst, Hunger oder an Erschöpfung.

Noch in derselben Nacht fahren zwei Rettungswägen des WIENER TIERSCHUTZVEREINS mit Wasserkanistern und Hunderten Kilo Tiernahrung gegen Süden los. Nördlich von Triest angekommen, können die Rettungsfahrer des WTV nichts von einem Stau bemerken. Die Tiertransporter sind von den italienischen Behörden von der Hauptstraße auf Nebenstraßen umdirigiert worden, offensichtlich um das wahre Ausmaß der Tiertragödie zu vertuschen. Auf einem versteckten Parkplatz, bezeichnenderweise in unmittelbarer Nähe des Schlachthofs Opicina, entdecken die WTV-Fahrer etwa einen aus Bulgarien kommenden LKW, der auf zwei Etagen, in engen Käfigen, 33 Pferde geladen hat. Sein Ziel: das weit entfernte Bari, in Süditalien. Weiterer Kommentar überflüssig...

Der Hilfseinsatz der Rettungsfahrer des WIENER TIERSCHUTZVEREINS dauert noch Tage an.

Auf Einladung nimmt der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel am 28. Mai 1991, an einer Vorstandssitzung des WTV teil. Dabei wird das Thema Tiertransporte als grenzübergreifendes Problem erkannt. Von nun an beginnt eine enge Zusammenarbeit zwischen Präsidentin Loubé und Präsident Apel.

Tierschutz kennt keine Grenzen

In einer Blitzaktion schickt der WIENER TIERSCHUTZVEREIN am 19. Juli 1991 einen Tierrettungswagen ins tschechische Brünn, um 45 Hunde mit Futter und Medikamenten zu versorgen.

Im Oktober richtet Dr. Drazan Susic von der Zagreber Gesellschaft für Tierfreunde beim 5. Österreichischen Tierschutzkongress einen dramatischen Hilfsappell an den WTV. Für die Tiere in Kroatien fehle es - bürgerkriegsbedingt - an Allem: Medikamente, Sanitätsmaterial und Futter. Mehr als 400 Hunde und 200 Katzen haben die Zagreber Tierfreunde provisorisch bei privaten TierfreundInnen untergebracht.

Wieder handelt Präsidentin Loubé schnell und unbürokratisch. Ein Spendenaufruf bringt 150.000 Schilling (mehr als 10.000 Euro). Schon bald rollen die ersten Hilfslieferungen Richtung Kroatien.

Auch mit Dr. Susic steht der WIENER TIERSCHUTZVEREIN immer noch in bestem Einvernehmen.

30.000 Unterschriften für Bundestierschutzgesetz

Die im Dezember 1990 vom WIENER TIERSCHUTZVEREIN initiierte Unterschriftenaktion für ein Bundestierschutzgesetz findet beim Zentralverband der Österreichischen Tierschutzvereine (ZTÖ) große Unterstützung. Innerhalb weniger Monate sind 30.000 Unterschriften gesammelt. Diese werden im März 1991 gemeinsam von Präsidentin Loubé und ZTÖ-Präsident Götz von Langheim dem Vorsitzenden der Landeshauptleutekonferenz, Burgenlands LH Karl Stix,(SPÖ) in Eisenstadt überreicht.

Auch der damalige 1, Nationalratspräsident - und nunmehrige Bundespräsident - Dr. Heinz Fischer (SPÖ) spricht sich für ein Bundestierschutzgesetz aus: "Ich sehe nicht ein, warum Tierschutz Ländersache bleiben soll. (...) Selbst ein so föderalistisch gesinnter Staat wie die Schweiz hat schon im Jahr 1988 den Tierschutz zur Bundessache erklärt."

Projekt "Tierschutz im Unterricht" beginnt

Am 5. September 1991 startet der WIENER TIERSCHUTZVEREIN mit dem Projekt "Tierschutz im Unterricht", um die Heranwachsenden für das Thema Tier zu sensibilisieren. Die Projektlehrerinnen besuchen nicht nur Schulen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland, es gibt sogar Einladungen aus Ungarn.

Neues Zuhause für Bärin "Judy"

Eine behördliche Verfügung schließt im Herbst 1991 den Kinderzoo von Götzis, Vorarlberg. Dadurch droht vielen obdachlos gewordenen Zootieren die Euthanasie, unter anderem der 24-jährigen sibirischen Bärin "Judy", für die schon aufgrund ihres hohen Alters schwer ein Platz zu finden ist. Nach einer Vielzahl von Anfragen und Telefonaten gelingt es Präsidentin Loubé, "Judy" im Steppentierpark Pamhagen (Burgenland) einzuquartieren. Allerdings muss der WIENER TIERSCHUTZVEREIN garantieren, selbst für die Errichtung eines geeigneten Bärengeheges zu sorgen. Am 12. März 1992 darf "Judy" nach zwanzigjähriger Gefangenschaft endlich ein Stückchen Freiheit genießen.

Tiertransportkampagne erreicht neuen Höhepunkt

Als am 20. März 1992 in FS 2 die schockierende Reportage des Dokumentarfilmers Manfred Karremann, "Das Elend der Nutztiere", ausgestrahlt wird, stößt sie auf unerwartet großes Echo in der Bevölkerung. Die "Kronen Zeitung" unter Trude Sagmeister schließt sich mit großaufgemachten Sonntagsausgaben an. Unterschriftenlisten samt Begleittext werden veröffentlicht - mit dem Hinweis, diese ausgefüllt an den WIENER TIERSCHUTZVEREIN zu schicken. Der Erfolg war überwältigend. Am 29. Juni übergeben Lucie Loubé und Götz von Langheim dem damaligen Verkehrsminister Mag. Viktor Klima 188.000 Unterschriften für ein Tiertransportgesetz. Präsidentin Loubé arbeitet zudem - als einzig hinzugezogene Vertreterin des Tierschutzes - am "Arbeitskreis Tiertransporte" mit, der vom Verkehrsministerium ins Leben gerufen worden war. Ein knappes Jahr später reicht der WIENER TIERSCHUTZVEREIN weitere 400.000 Unterschriften nach. Ein kolossaler Erfolg!

WTV setzt auf Nest-Eier

Im Juli 1992 erwirbt der WIENER TIERSCHUTZVEREIN mit 51% die Mehrheitsanteile an der NEST-EIER GesmbH. Mit diesem Schritt setzt Präsidentin Loubé ein Zeichen in Richtung Zusammenarbeit zwischen Tierschutz, Bauern und Vermarktung. Endziel ist es, die tierquälerische Käfighaltung von Hühnern gänzlich abzuschaffen. Ein erster Schritt dazu: Etablierung von Bodenhaltungs- bzw. - noch tiergerechter - Freilandeiern. Der WIENER TIERSCHUTZVEREIN leistet in Österreich mit dem Einstieg in die "Eierbranche" Pionierarbeit; zum Wohle der Hühner und nicht zuletzt auch im Sinne der KonsumentInnen, denen Qualitätsware geboten wird.

Heute, vierzehn Jahre danach, ist Österreich europaweiter Vorreiter in Sachen tiergerechter Eierproduktion. Nirgendwo anders gibt es einen derart hohen Prozentanteil an Freilandeiern wie in Österreich. 858 Betriebe, die Freilandeier produzieren, sind Mitglied der Kontrollstelle für artgemäße Nutztierhaltung. Der WIENER TIERSCHUTZVEREIN ist einer der drei Eigentümer dieser Institution.

Protestdemo für Versuchshunde

In den nahezu lichtlosen Kellern des Pharmakologischen Instituts der Universität Wien sind im August 1992 elf Schäferhunde samt sechs Welpen untergebracht. Sie sollen für Tierversuche herangezogen werden. Aufgrund der öffentlichen Empörung ordnet Wissenschaftsminister Vizekanzler Dr. Erhard Busek (ÖVP) ein generelles Verbot für Tierversuche an Hunden an. Die Professorenschaft des Instituts findet sich mit diesem Verbot allerdings nicht ab und will den Verwaltungsgerichtshof anrufen. Bis eine juristische Entscheidung gefallen wäre, hätten die Hunde in ihren Verließen jahrelang weiter dahinvegetieren müssen.

Präsidentin Loubé macht daher das Angebot, die Hunde bis zum Gerichtsurteil in Verwahrung zu nehmen. Das Institut für Pharmakologie lehnt ab. Daraufhin meldet der WIENERR TIERSCHUTZVEREIN für den 28. August eine Demonstration vor dem Institutsgebäude an. Am 11. September kommt es zu einem Protestmarsch zum Wiener Rathaus. Bürgermeister Dr. Helmut Zilk (SPÖ) sagt dem WTV seine volle Unterstützung zu.

Letztendlich hat Präsidentin Loubé Erfolg. Die 17 Versuchshunde werden dem WIENER TIERSCHUTZVEREIN zugesprochen, der sie nach einer Übergangszeit im Gnadenhof Marz an tierliebe Haushalte vermittelt.

Audienz beim Papst

Am 29. September 1993 weilt Präsidentin Lucie Loubé - zusammen mit anderen VertreterInnen internationaler Tierschutzvereine - aus Anlass des bevorstehenden Welttierschutztages in Rom. Im Rahmen einer Audienz bei Papst Johannes Paul II. erbittet sie vom Kirchenoberhaupt die Erneuerung seines zu Beginn des Pontifikats ausgesprochenen Wortes "Tierschutz ist christliche Ethik".

Am Ende ihrer in Form eines Memorandums überreichten Anliegen ersucht Frau Loubé um eine aufklärende Stellungnahme zu zwei Postulaten des damals neu veröffentlichten "Weltkatechismus". Darin steht zu lesen, dass man "keine Tiere lieben" und "für sie kein Geld ausgeben" dürfe. Diese Formulierungen stoßen selbst bei vielen gläubigen KatholikInnen auf Unmut.

Am 3. November 1993 erreicht den WIENER TIERSCHUTZVEREIN namens des Vatikanischen Staatssekretariats ein Antwortschreiben von Monsignore Sandri. Der Inhalt ist allerdings enttäuschend. In sehr allgemein gehaltenen Worten wird auf die "Achtung der Unversehrtheit der Schöpfung" hingewiesen, ohne aber konkret auf die Anliegen Präsidentin Loubés einzugehen.

Religiöser Dialog zum Thema Schächten

Am 1. Juni 1993 erstattet der WIENER TIERSCHUTZVEREIN anlässlich des islamischen Kurban-Festes Anzeige. Bei Breitenfurt (NÖ) waren Hunderte Schafe ohne Betäubung und mit überwiegend stumpfen Messern per Kehlschnitt getötet worden. Um aber keinerlei Fremdenhetze aufkommen zu lassen, nimmt Präsidentin Loubé die Gelegenheit wahr, mit den höchstrangigen österreichischen Vertretern der muslimischen bzw. jüdischen Glaubensgemeinschaft, Prof. Dr. A. Ahmad Abdelrahmisal und Dr. Avshalop Hodik, in konstruktiven Dialog zu treten. Auf Vorschlag des WIENER TIERSCHUTZVEREINS beginnt man, an einer gemeinsamen Lösung zum Thema Schächten zu arbeiten.

Fortsetzung folgt


Einführungsseminar für Betreuungspaten
8. Mai 2008, 18:30 Uhr
Ordentliche Generalversammlung 2008
9. Mai 2008, 18:00 Uhr
Grillfest
7. Juni 2008, 13:00 Uhr
Motorradbenefizausfahrt 2008
22. Juni 2008, 9:30 Uhr